Evidero: Das News-Portal von Neven DuMont ist online

Spannend, spannend: Der Kölner Verlegersohn Konstantin Neven DuMont, der vor rund einem Jahr unter nicht sehr charmanten Umständen aus dem väterlichen Unternehmen geflogen war, hat jetzt was eigenes.

Das Portal nennt sich etwas verschwurbelt “Evidero” und, so suggeriert jedenfalls der Videotrailer, soll uns alle mal so richtig aufrütteln: Die Themen sind Nachhaltigkeit, Veränderung, Energiewende, solche Sachen. Dahinter steckt offenbar großes Engagement und der Wille, die Welt zum besseren zu verändern. Ein hoher, ein edler Anspruch. Respekt!

Ein kurzer Check auf dem Portal selbst zeigt dann, worum es konkret geht: Ein Artikel steht unter der Überschrift “Iss nachhaltig und rette die Welt!”. Es ist ein Rundumschlag. Ein Rundumschlag gegen den Verzehr von Thunfisch, gegen zu viel Fleisch, gegen Spekulationen mit Lebensmitteln. Nichts davon ist wirklich neu, aber es ist ganz gut geschrieben, der Text hat einen langen Atem. Die Aufmachung ist gar nicht schlecht, es gibt zahlreiche Grafiken und Links im Artikel. Also: Ein Text für Leute, die Zeit haben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber noch kein richtiger Hinweis, worum es nun bei “Evidero” eigentlich gehen soll.

Zweiter Versuch. Der Aufmacher heißt “Geld ist nicht alles”, der erste Satz lautet “Geld ist eine Illusion”. Im Text wird noch einmal die Banken- und Finanzkrise auf sehr grundsätzlicher Ebene diskutiert, zum Beispiel anhand der Tatsache, dass der Wert aller gehandelten Börsenpapiere die gesamte (reale) Wirtschaftsleistung der Welt um Größenordnungen übersteigt. Ich muß sagen: So grundsätzlich liest man das in der Tagespresse nicht; hier ist tatsächlich eine Informationslücke, die Evidero besetzen könnte. Schade finde ich dagegen, dass das im Video-Trailer angeteaserte Experiment im Chiemgau, wo einige Händler ihr eigenes Geld “erfunden” haben, in dem Artikel nicht zur Sprache kommt. Das Thema findet man nur relativ umständlich über den Menüpunkt “Video”. Gut, aber das sind vielleicht Kinderkrankheiten.

Also: Dritter Versuch. In seinem “Editorial” schreibt Evidero-Gründer Konstantin Neven DuMont:

“Wir wollen Themen setzen, Katalysator und Forum sein.”

und weiter:

“Über einige unserer Themen oder Ansätze lässt sich trefflich streiten. Gerade darauf freuen wir uns. Missstände nur aufzuzeigen ist ein zu einfacher Weg; den erhobenen Zeigefinger mögen wir genauso wenig wie Sie. Orientierung geben zu wollen ist ein hoher Anspruch, der die offene Diskussion braucht.”

In der Tat: “Orientierung geben” ist wirklich ein sehr hoher Anspruch. Einer, den ich vor 20 Jahren in meiner Ausbildung zum Journalisten noch als Aufgabe der Tageszeitung gelernt habe. Ob diese heute auf diesem Gebiet noch sehr aktiv ist, muß jeder Leser selbst beurteilen – Fakt ist allerdings: In Zeiten der Informationsüberflutung wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Und in Zeiten der Social Media ist ja auch das Nachrichtengeschäft so lange schneller geworden, bis es vor einigen Jahren die Echtzeit erreicht hat. Schneller geht es seitdem nicht mehr.

Also ist der Ansatz, langsamer zu werden (und das tut Evidero letztlich), vielleicht genau der richtige. Ich sehe im Zustand des Portals heute durchaus gute Ansätze, auch wenn man anhand von nur zwei Themen noch nicht wirklich beurteilen kann, wie gut diese Ansätze verwirklicht werden. Ich würde mir irgendwie schon wünschen, dass es klappt mit Evidero – und drücke die Daumen.

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