IPRES: Die Urheberrechts-Debatte geht weiter

Das Thema “ACTA” ist ja nun durch – doch die Frage, wie sich das Urheberrecht in Zeiten des Internets fortentwickeln kann – fortentwickeln muß – wird uns weiter beschäftigen. Mit IPRES ist auf europäischer Ebene schon die nächste Verordnung am Start, die möglicherweise Ungemach bringt.

Dahinter steckt auch hier wie schon bei ACTA das Bestreben der Verwerter, digitale Kopien möglichst zu verhindern und dort, wo das nicht möglich ist, mit drakonischen Mitteln dagegen vorzugehen. Wohlgemerkt: Nach meinem Eindruck sind es gar nicht so sehr die Urheber selbst, die sich lautstark zu Wort melden. Natürlich gibt es hier und da mal eine Initiative einiger Drehbuch-Autoren, die die Zukunft des Tatorts in Gefahr sehen (den man sich übrigens legal und kostenlos auf der ARD-Mediathek im Netz ansehen kann…). Aber im großen und Ganzen sind es eher Plattenfirmen als Musiker, die sich in dem Thema engagieren – nur sie haben schließlich die Etats, um tatsächlich wirkungsvolle Lobbyarbeit zu betreiben. Die Urheber selbst sind oft komplett aus dem Spiel, weil sie die Nutzungsrechte an ihren Werken mehr oder weniger komplett an Verwerter abgetreten haben, die sich dann um die Monetarisierung kümmern und dem Urheber einen mehr oder weniger niedrigen Anteil ihrer Umsätze abgeben, die sie mit seinem Werk erwirtschaften. Das ist ein Aspekt der Diskussion, der leider oft unter den Tisch gekehrt wird: Wir reden eigentlich über die Verwertung geistigen Eigentums, nicht so sehr die Urheberschaft daran.

Nun kann ich jede Filmproduktionsgesellschaft verstehen, die ihr Geschäftsmodel bedroht sieht, weil ihr neuer Film schon am Tag der Kinopremiere kostenlos im Netz steht. Ich kann auch jeden Autor verstehen, der viel Mühe und Arbeitszeit in ein Drehbuch für diesen Film gesteckt hat. Auch er muß fürchten, künftig keinen Job mehr zu haben. Diese beiden Punkte kann man nicht einfach wegwischen, denn in beiden Fällen geht es letztlich um Existenzen, die im Extremfall vernichtet werden.

Auf der anderen Seite verweise ich auf eine Veranstaltung in der letzten Woche im Rahmen des Münchner Filmfests. Da gab es eine Podiumsdiskussion im Münchner Gasteig zum Thema “Urheberrecht”. Mit auf dem Podium waren unter anderem Filmemacher Helmut Dietl (“Monaco Franze”, “Kir Royal”, “Schtonk“, “Rossini”) und Produzent Oliver Berben.

Beide, vor allem aber Dietl, sind natürlich geradezu entrüstet ob der Tatsache, dass es im Web digitale Kopien gibt, die an Urhebern und Verwertern vorbei wenn nicht gehandelt, so zumindest verbreitet werden. Erstaunlich aber ist zweierlei:

  1. Dietls Hauptwerk, unter anderem “Monaco Franze” und “Kir Royal”, ist im Web auf keiner einzigen Plattform als kostenpflichtige Digitalversion zu haben. Man muß schon auf Amazon eine DVD kaufen – oder kann sich beide Fernsehserien kostenlos (und illegal) zum Beispiel auf Youtube anschauen.
  2. Der Urheber Dietl hat auf diese Tatsache nicht den geringsten Einfluß (er kann also gar nicht dafür sorgen, dass er mit den eigenen Werken quasi “digitales Geld” verdient), da die Rechte an beiden Serien der Münchner “Telepool” gehören, an der wiederum der bayerische Rundfunk beteiligt ist.

An dieser Stelle stört es mich ehrlich gesagt schon ein bißchen, als Raubkopierer diffamiert zu werden, wenn es gleichzeitig keinerlei legale Möglichkeiten gibt, ein Video meiner Wahl zu kaufen, das an vielen Stellen im Internet kostenfrei, aber illegal bereitsteht. Oliver Berben hat völlig recht, wenn er sagt, dass das (aus meiner Sicht durchaus legitime) Vorgehen gegen gewerbsmässige Urheberrechtsverletzungen einhergehen muß mit einer vernünftigen Bezahlstrategie.

Ich frage mich allerdings, warum es die (noch) nicht gibt. Ein Grund könnte sein, dass man noch zu sehr in der alten Welt lebt, in der man seine gesamte Distributionskette im Griff hatte und selbst bestimmen konnte, wo wann welches Werk verwertet wurde und was man daran verdiente. Sicher: Es ist bitter, wenn man als Anbieter im iTunes Store 30 Prozent vom Umsatz an Apple abtreten muß. Wenn man sich aber anschaut, dass man in der alten Welt der Atome das gleiche Video, das man hier “körperlos” als Datei verkauft, erst auf DVD pressen, in eine aufwändig gestaltete Verpackung stecken und per LKW in den Media-Store der Wahl chauffieren mußte – dann fielen hier doch auch gewisse Kosten an, die man heute nicht mehr hat.

Ich weiß nicht, aber mein Eindruck ist dieser: Man ist in Deutschland sehr gut im Verhindern (und nochmal: Gewerbsmässige Urheberrechtsverletzungen gehören verfolgt – Sie können schon mit der heutigen Rechtsgrundlage effektiv verfolgt werden und das geschieht ja auch). Aber wir tun uns relativ schwer damit, die neuen Mechanismen des Internet zu verstehen und sie zu unserem Vorteil zu nutzen. Ich kann mir nur wünschen, dass die vielen Chancen, die digitale Vertriebswege bieten, tatsächlich stärker gesehen werden.

Ein Kommentar zu “IPRES: Die Urheberrechts-Debatte geht weiter

  1. Zur 30%-Theorie (ITunes), nach der man ja jetzt auch nicht mehr zahlen würde als früher, da der ganze Aufwand bis hin zum Store ja inzwischen wegfällt:
    Dasselbe gilt aber natürlich ähnlich auch für den Verkäufer. Für ITunes fallen im Gegensatz zu einem realen Laden ja auch eine Menge Kosten weg. Kein realer Media-Store, keine Verküfer (die auch mal krank sind, usw.)- Datei einfach reinstellen und automatisiert verkaufen. So gesehen sind 30% eine ganz schöne Unverschämtheit

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