Ein Besuch auf der “Make Munich” 2013 – 3D-Druck kommt!

Am Wochenende hat in der Münchner “Tonhalle” im ehemaligen “Kunstpark Ost” eine kleine Revolution stattgefunden: Die “Make Munich” war eine Art Mini-Messe mit knapp 40 Ständen, die sich zu 90 Prozent mit dem Thema “3D-Druck” beschäftigt hat.

Das Ganze hatte den spröden Charme einer Zeitenwende: An den improvisierten Ständen konnte man verschiedene Formen von meist selbst zusammengedengelten 3D-Druckern bestaunen, die oft erstaunlich akkurat arbeiteten. Dabei waren auch originelle Lösungen wie zum Beispiel eine Art “Pendel-Drucker, der nicht wie üblich mit einer x-, y- und z-Achse arbeitete, sonder mit einer Art pyramidenförmigem Aufbau, in dem auf drei schrägen Schlitten Motoren arbeiteten, die im Zusammenspiel erstaunlich flink den Druckkopf positionierten.

Alles in Allem war eine deutliche Aufbruchstimmung zu spüren, hatte man das Gefühl: Das alles ist erst der Anfang.

Mehr im Video!

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Update: Inzwischen hat auch heise.de über die Make Munich berichtet und kommt zu dem Schluß, die Messe habe “die Erwartungen übertroffen”. Bericht hier.

Oh, und hier noch ein Abschlußbericht zusammen mit meinem Freund und Kollegen Matthias J. Lange von redaktion42.com

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Chris Anderson: “Makers”

Ich gestehe: Als Kind war ich ein Nerd. Tage konnte ich damit zubringen, aus Fischer-Technik (damals in den 70ern eine ganz bahnbrechende neue Erfindung) Maschinen zu bauen, die irgendwas gemacht haben – und fast nie richtig funktionierten.

Da habe ich wohl etwas gemeinsam mit Chris Anderson, dem Wired-Chefredakteur und Autor der beiden Bestseller “The Long Tail” und “Free”. In seinem neuen Buch erzählt Anderson, dass auch er als Schüler seine Sommerferien damit verbracht hat, Dinge zu bauen – dank eines entsprechend vorgebildeten Großvaters allerdings keine Fischertechnik-Maschinchen, sondern richtige Auto-Motoren, die man sich wohl damals in den USA als kompletten Bausatz nach Hause bestellen konnte.

Das “bauen” hat es Anderson jetzt angetan – genauer: Die Revolution der industriellen Produktion, die wir gerade erleben.

Und das auf zwei Feldern:

  • Der Finanzbedarf, den ein “Macher” hat, bis seine Ideen tatsächlich in Form von Hardware, von Dingen also, Wirklichkeit werden, lässt sich heute vergleichsweise bequem über Crowdfunding-Mechanismen wie Kickstarter.com und ähnliche Plattformen decken. Das ist die wirtschaftliche Seite.
  • Das “Machen” selbst, betriebswirtschaftlich gesprochen also die Produktion, erlebt gerade die wohl größte Revolution ihrer Geschichte. 3D-Drucker, Open-Source-Hardware und andere ähnliche Dinge erlauben es prinzipiell (fast) jedem, eine Idee zum “Ding” werden zu lassen. Und das in jeder Größenordnung: Die Steuerdatei, die daheim dem 3D-Drucker den Prototypen entlockt, kann genauso in irgendeiner Fabrik irgendwo auf der Welt dazu verwendet werden, eine große Produktionsstraße zu steuern.

Erste Auswirkungen dieser “Macher-Revolution”, wie Anderson sie nennt, sehen wir bereits: immer öfter werden Smartphone-Zubehörteile, neuartige Kameras, Lautsprecher oder Fahrräder von ganz normalen Leuten produziert – und ab und zu ist auch mal potenziell bahnbrechendes dabei wie etwa die “Memeto”-Liveblogging-Kamera. Das ist ein kleines Gerätchen von der Größe einer Streichholzschachtel, das man sich ans Revers heften kann und das dann alle 60 Sekunden ein Bild von dem macht, was der Träger gerade so sieht.

Also: Es ist mit Sicherheit etwas dran an Andersons These von der Revolution des “Machens” – oder, wie er sich an einer Stelle ausdrückt: Die Fortschreibung demokratisierter Produktionsmittel, wie sie im digitalen Bereich längst gängig sind, in der Welt der Atome.

Das ist übrigens eine schöne Volte: Noch Mitte der 90er Jahre hatte Technik-Visionär Nicolas Negroponte in seinem Buch “total digital” erstmals postuliert, dass sich diejenigen Teile der Wirtschaft, die sich mit “Software” (von Büchern über Filme bis zu Musik und ja, auch Computerprogrammen) beschäftigt, sich über kurz oder lang von “Atomen”, also physischen Datenträgern wie Schallplatten, DVDs oder Papier-Büchern, lösen und in einen rein digitalen Bereich überwechseln würde. Das ist genau die Entwicklung, die wir im letzten Jahrzehnt mit der Heraufkunft von Dingen wie iTunes, iPad und Kindle, Netflix und Spotify gesehen haben. Wenn man Anderson glauben darf, frisst sich diese Revolution mit genau den gleichen Mechanismen, wie wir sie aus dem digitalen Bereich kennen, zurück in die Welt der Atome. Und das wird deutlich spannender, denn diese Welt ist die deutlich größere.

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Lesebefehl: “Predictably Irrational” von Dan Ariely

Nehmen wir an: Im Supermarkt um die Ecke gibt´s einen leckeren Rotwein für 10 Euro die Flasche. Beim Fachhändler am anderen Ende der Stadt – 20 Gehminuten entfernt – kostet der selbe Wein nur 5 Euro. Würden Sie den Weg auf sich nehmen? Klar, oder? Der Wein kostet ja schließlich nur die Hälfte.

Nächstes Problem: Beim Bekleidungshaus um die Ecke kostet ein schicker Anzug 300 Euro. Der Filialist in der Innenstadt – 20 Gehminuten entfernt – hat den Anzug für 295 Euro. Gehen Sie hin? Ach, wegen der lumpigen fünf Euro…

Phänomene wie dieses untersucht Dan Ariely in seinem (nicht mehr ganz  neuen) Buch “Predictably Irrational”. Das Buch ist nicht nur spannend, weil man sich dauernd ertappt fühlt. Natürlich ist es frustrierend zu lesen, wie doof wir uns alle manchmal verhalten (siehe das obige Beispiel), aber auch wie ähnlich wir uns alle sind.

Spannend ist “Predictably Irrational” auch deshalb, weil Ariely mitschuld ist an einem anderen Buch, nämlich “Free” von Chris Anderson. Ariely, der übrigens am MIT Management lehrt, hat nämlich das Phänomen aufgedeckt, das Anderson zur Grundlage seiner Theorie gemacht hat: Der Begriff “Kostenlos” macht seltsame Dinge mit dem menschlichen Gehirn. Es kann etwas noch so billig sein – sobald es kostenlos wird, ticken wir alle aus.

Insofern: Pflichtlektüre für alle Web-Arbeiter – aber auch für Leute, die einfach nur wissen wollen, warum man den Rechtsanwalt in der Nachbarwohnung zwar fragen darf, ob er den Briefkasten lehrt – aber ihn keinesfalls bitten darf, sich seinen neuen Arbeitsvertrag “mal anzuschauen”…

Die Homepage von Dan Ariely

Das Buch bei Amazon kaufen: Denken hilft zwar, nützt aber nichts: Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen

Video zum Thema:

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Die neue Mangelware: Aufmerksamkeit

Chris Anderson ist immer gut. In der vorigen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins “Brand Eins” steht ein wieder mal hoch interessantes Interview mit ihm. Eigentlich geht es darin um sein schon nicht mehr ganz neues Buch “Free”.

Aber das kennt man ja eigentlich schon, die Thesen darin sind auch ganz ähnliche wie diejenigen von Jeff Jarvis in “Was würde Google tun?” – und letztlich eine Forführung von “The Long Tail”: In der digitalen Wirtschaft sind die Grenzkosten derartig nahe an “nichts”, dass man die meisten Produkte eigentlich auch gleich ganz verschenken kann. OK, das war jetzt ein bißchen salopp ausgedrückt.

Interessanter scheint mir im Moment so eine Art Neben-Gedankengang, in dem sich Anderson mit der Gegenwart und vor allem der Zukunft von Journalismus beschäftigt.

Vor zwanzig Jahren, als ich in der Branche angefangen habe, war es ja noch so: Jounalisten hatten Herrschaftswissen. Diejenigen dpa-Meldungen, die man nicht in der Zeitung untergebracht hat, die gab es für das breite Publikum da draußen schlicht nicht. In den achtziger Jahren konnte man noch jeden Abend nach Umbruchschluß die Redaktion verlassen in dem schönen Gefühl: Ich weiß was, was ihr da draußen entweder erst morgen früh oder gar nicht erfahrt.

Vorbei.

Damals hieß die Mangelware “Information”. In meiner Kindheit in den 70er Jahren war es noch problemlos möglich, jede Zeile jedes Druckwerkes zu lesen, das bei uns im Haushalt vorkam. Und danach war einem noch langweilig. Und vieles, was man gerne noch vertieft gewußt hätte, vieles, was vielleicht ein Hobby betraf – das erfuhr man einfach nicht.

Vorbei.

Auf dem weiten Weg von Neil Postmans Unterhaltungsgesellschaft über Negropontes “Total Digital” bis hin zu Anderson und Jarvis ist uns der Mangel an Information abhanden gekommen – und damit eigentlich auch der klassischen Presse mit ihren Massenmedien das Geschäftsmodell.

Journalisten müssen nicht mehr den Mangel an Platz, Zeilen, Sendeminuten verwalten. Ganz im Gegenteil.

Heute sind nicht nur die abstrusesten Informationen zu jedem noch so abseitigen Nischenthema über den Mechanismus von Google sofort zugänglich. Das geht so weit, dass Expertenwissen, eigentlich jede Form von Faktenwissen, das in einem menschlichen Gehirn gespeichert wird, viel von seinem Wert verlieren wird oder schon verloren hat.

Außerdem: Die “Mainstream-News”, von denen “Nachrichten-Großhändler wie die dpa früher sehr auskömmlich gelebt haben, kommen mir heute meist bereits morgens zu den Ohren raus. Denn ich bekomme sie täglich auf zig Kanälen in völlig identischer Form aufgedrängt – ich muß nur zu Web.de oder GMX gehen, um meine Mails abzurufen – schon kriege ich die komplette Nachrichtenlage an “National News” ungefragt auf den Bildschirm.

Das ist der Grund, weshalb Medien mit “Gemischtwaren-Charakter” immer mehr Schwierigkeiten bekommen werden. Der Punkt ist einfach, dass man viele Regale im Gemischtwarenladen nicht braucht.

Ich glaube, das große Problem dabei ist gar nicht mal so sehr die Tatsache, dass der Kunde/Leser hier das Gefühl hat, für etwas zu bezahlen, das er nicht nutzt. Das Problem ist: Der Leser hat nicht mehr die Zeit, den ganzen Gemischtwarenladen abzusuchen nach für ihn relevanten Inhalten. Nach neuen Studien haben die Menschenbim Jahr 2008 täglich dreimal so viele Informationen konsumiert wie 1960. Computer-User wechseln im Durchschnitt 37-mal pro Stunde die Aktivität. Also: Wo in früheren Zeiten oft schlicht der Wunsch nach “Lesestoff” dominierte, mit dem man freie Zeit füllen kann, gilt heute umgekehrt: Genau die Zeit ist der limitierende Faktor. Das Medium hat seine Berechtigung anders als früher dort, wo es klares Profil gewinnt und den möglichst besten Zeit-Nutzen-Faktor.

Das aber kann nur bedeuten: Weg mit jeglichem Ballast. Konzentration auf das Wesentliche. In den Abfall mit sprachlichen Stuckdecken, langatmigen Texten, Zeilenschinden, um-das-Thema-herumschreiben. Texte müssen für Suchmaschinen optimiert werden – als Nebeneffekt werden sie dadurch auch verständlicher, weil unnötige Umschreibungen und Synonyme wegfallen. Wichtige Schlüsselwörter müssen verlinkt werden – nicht so sehr wegen Google, sondern um eine mehrdimensionale Nutzung auf verschiedenen Detailierungs-Ebenen zu ermöglichen. Ziel muß sein: Superschnelle, kurze Info – aber Gleichzeitig die Möglichkeit, über die Links an beliebiger Stelle beliebig tief einzusteigen.

Mancher sagt jetzt vielleicht: Kalter Kaffee! Das machen wir im Web doch seit 15 Jahren!

Echt? Wer macht das? Wer macht das konsequent? Eben.

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“Free Economy” – weshalb der Vergleich hinkt

Nach seinem Mega-Erfolg mit dem “Long Tail” hat Chris Anderson wieder zugeschlagen. Sein neues Buch wird sich mit der “Free Economy” beschäftigen. Also dem Phänomen, dass aufgrund der geringen Kosten für Speicherplatz und Datentransfer im Web viele Produkte und Dienstleistungen kostenlos angeboten werden (können).

In einem Youtube-Video zieht Anderson dazu einen Vergleich mit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals, so Anderson, habe es die Vision gegeben, dass durch das Aufkommen der Kernenergie Elektrizität so billig werden könnte, dass man sie quasi “verschenken” kann.  Was aber wäre dann passiert? “Wir würden alles mit Strom machen”, lautet Andersons Antwort auf diese Frage.

Schon richtig: Sicherlich hätten wir heute elektrische Autos, elektrische Gartengrills, elektrische – ja was eigentlich noch?

Das ist der erste Fehler im Vergleich: Obwohl Elektrizität bis heute nicht kostenlos ist, gibt es ungeheuer viele Dinge, die (trotzdem?) mit Elektrizität funktionieren. Weil es einfach ist, sauber und bequem. Und in den wenigen Bereichen, wo das nicht so ist (Autos!), hat es andere Gründe: Auch in einer Welt mit kostenlosem Strom gäbe es einfach riesige technische Hürden, bevor man Strom-Autos bauen könnte.

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Chris Anderson – alles nix Neues

Wir kennen ja Chris Anderson. Der mit dem “Long Tail” und so. Schreibt gerade ein neues Buch, Kernthese: Das neue am Web 2.0/2.1/2.5/3.0 ist die Tatsache, dass es die Produkte meist kostenlos gibt. Zum Beispiel auch die Software, mit deren Hilfe dieses Blog hier geschrieben wird.

Schön.

Aber erstens: Es ist ja schon noch in allem ziemlich viel “Old Economy” drin, und im Negroponte´schen Sinne Atom-Rumschieberei. Amazon, die ganzen Webshops und so weiter – und selbst bei iTunes wird ja schön brav bezahlt.

Davon mal abgesehen.

Die Mechanik hinter der ganzen Kostenlos-Kultur ist ja diese: Ich schenke Dir was (zum Beispiel Blogsoftware), und dafür generierst Du Inhalt oder wenigstens Reichweite. Das Ganze dann vor dem Hintergrund, dass man die Reichweite durch Werbung vermarkten kann.

Und da sind wir beim klassischen Werbegeschenk. Die ganzen Kugelschreiber, Luftballons, USB-Sticks usw. gibt´s ja auch schon immer umsonst (nebenbei: Deren Produktion und Vertrieb ist genausowenig wirklich “kostenlos”, wie es Anderson offenbar für die Publikation von Web-Inhalten postuliert) – und auch schon immer um denselben “Preis”: Ich akzeptiere, zur Litfaßsäule für jemand anders zu werden.

Klar, die Skala ist anders, mithin auch die negativen Auswirkungen auf jene, die das digitale Äquivalent eines Kugelschreibers gerne gegen Geld verkaufen möchten. Nur, was passierte denn in der alten, langweiligen Welt der Atome: Wirklich schöne Kugelschreiber kriege ich nur geschenkt, wenn ich wirklich VIP bin – ansonsten muß ich sie kaufen. Vielleicht ist diese These wenigstens für bestimmte Branchen erlaubt, zum Beispiel die Medien. Allerdings sicher nur dann, wenn man sie sozusagen umdreht: Hochwertiger Content im Web zieht eine hochwertige Zielgruppe (denn die anderen sind mit dem 1-Euro-Kugelschreiber vollauf zufrieden) und bildet eine Plattform für hochwertige Werbung. Das könnte doch funktionieren.

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