Leistungsschutzrecht: Google zeigt Wirkung

Unter Bergsteigern gibt es eine alte Redensart: “Dem Berg ist es egal, ob ich ihn besteige”. Das bringt jenen Fatalismus zum Ausdruck, mit dem selbst Spitzenleute letztlich akzeptieren (müssen), dass bei allem Können immer ein Restrisiko bleibt, weil der Berg einfach immer größer ist als der Mensch.

Was das mit der aktuellen Diskussion um das Leistungsschutzrecht für deutsche Verlage zu tun hat?

Eine Menge.

Aber der Reihe nach: Seit vergangene Woche wird ein geplantes Gesetz sehr breit diskutiert, von dem der Laie zuvor vermutlich noch nie gehört hatte. Seit einiger Zeit schon versuchen deutsche Zeitungsverlage durchzusetzen, dass sie an den Erlösen beteilgt werden, die Google dadurch erwirtschaftet, dass es in seinen Suchergebnissen kurze Anreißer von Pressetexten veröffentlicht und dazu Werbung anzeigt. Das ist ein Thema, das für den berühmten Otto Normalverbraucher mutmaßlich keine lebensverändernde Wirkung haben wird – gleich, wie die Diskussion am Ende ausgeht. Bis vorige Woche konnte man der Meinung sein: OK, das werden Verlage, Gesetzgeber und Google unter sich ausmachen.

Wobei dem Suchgiganten Google hier natürlich die Rolle des Berges in dem obigen Spruch zukommt. Ich selbst hätte erwartet, dass der Quasi-Monopolist aus Kalifornien das Ganze mit einer gewissen Gleichmut an sich vorüberziehen lässt – denn auch für Google ist das Thema sicher nicht kriegsentscheidend.

Dachte ich.

Doch dann begann Google mit einem ziemlichen Aufstand: Sogar auf der Homepage der Suchmaschine versuchte man, mit Hilfe eines Youtube-Videos für den eigenen Standpunkt zu werben und bei den geneigten Usern für eine “Initiative gegen das Leistungsschutzrecht” zu agitieren. Pikant war dabei übrigens am Rande, dass hier gerade der eh als Daten-Krake verschrieene Suchmaschinenkonzern fleißig Userdaten sammeln wollte, um “über das Thema zu informieren”.

Unter dem pseudo-dramatischen Titel “verteidige Dein Netz” hängt Google das Leistungsschutzrecht zumindest sprachlich sehr hoch auf. Das wirkte zumindest auf mich etwas, na ja, hysterisch. Und ob Google mit einer derartig über-dramatisierten und deutlichst gefärbten Stellungnahme zur Versachlichung der Diskussion beiträgt, ist doch sehr die Frage.

Wie auch immer die Sache mit dem Leistungsschutzrecht am Ende ausgeht: Ich finde es schon mal äußerst spannend, dass es dem Berg Google offenbar so gar nicht egal ist, wer ihn besteigt.

(DISCLAIMER: Ich bin hauptberuflich bei einem Zeitungsverlag angestellt. Die hier dargestellte Meinung ist jedoch meine persönliche und nicht notwendigerweise diejenige meines Arbeitgebers.)

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Noch ein Angriff aufs Fernsehen: Yahoo Screen

Ich weiß auch nicht, was eigentlich so schwierig ist: Neben den bis jetzt noch recht dürftigen Themenkanälen auf  Youtube gibt es noch einen anderen “Angriff” auf das konventionelle Fernsehen im Netz: Yahoo Screen. Die Plattform ist vor kurzem gestartet und nach Aussage von Yahoo-GF Heiko Genzlinger tatsächlich so gemeint: Man möchte den “normalen” Fernsehsendern Zuschauer – und damit natürlich Werbegelder – abspenstig machen.

Bei meiner Stichprobe zeigte sich aber, dass das “alte Fernsehen” nur wenig Anlaß hat, sich vor Yahoo zu fürchten. Auf der Plattform finden sich (zumindest auf der Homepage) fast nur Blaulicht- und Promi-News. Alle anderen Themen bleiben komplett außen vor – schon alleine deshalb hält sich mein persönliches Interesse an der Plattform sehr in Grenzen.

Wenn man dann noch in einzelne Beiträge reinschaut, zum Beispiel das zwei Minuten kurze Filmchen über Calista Flockheart – dann wird es noch schlimmer. Denn hier werden absolute Null-News zum großen Enthüllungsreport aufgebauscht – etwas, das jedem Volontär ab dem ersten Arbeitstag strikt ausgetrieben wird. Denn es führt letztlich sehr schnell zu enttäuschten Usern, die niemals wiederkommen. Und das in diesem Fall vollkommen zurecht.

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Ina Müller und das Versagen der ARD

Ich bin ein großer Fan von Ina Müller. Ihre Sendungen “Inas Nacht” finde ich klasse. Nur leider habe ich samstags spät abends meistens weder Zeit noch Lust, sie mir anzusehen. Ich schaue Fernsehen grundsätzlich lieber dann, wenn ich Zeit habe, und nicht dann, wenn etwas bestimmtes im Programmschema steht.
Bei Ina Müller ist das allerdings schwierig: in ihrer Sendung wird nicht nur getalkt, sondern auch gesungen. Die Tatsache, dass die Gäste meistens gemeinsam mit der Gastgeberin irgend einen Klassiker der Popmusik anstimmen, gehört zum Alleinstellungsmerkmal der Sendung. Nur leider findet sich dieses Alleinstellungsmerkmal in der Mediathek der ARD nicht wieder: dort ist die Sendung um die gesungenen Parts beschnitten. Man kann sich lediglich die Inseln des Gesprächs dazwischen anschauen.
Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Ich vermute, dass der ARD die Rechte für die Aufführung der Musik zu teuer waren und man deshalb gesagt hat: “o.k., dann schneiden wir es halt raus”. Nur: ich als Gebührenzahler gebe mein Geld ja nicht mehr nur dafür, dass ich meinen Fernseher samstagnachts einschalten kann und Ina Müller sehe, ich gebe mein Geld eigentlich dafür dass ich das Programm der ARD auch Im Internet ansehen kann. Vielleicht gehöre ich in diesem Punkt zur Avantgarde, aber spätestens in ein paar Jahren werden auch ganz normale Menschen so denken.
Und es kommt noch besser: wenn ich zu YouTube gehe und dort den richtigen Suchbegriff eingebe, dann kann ich natürlich auch die gesamte Sendung sehen – vollständig und inklusive der Musik. Nur leider hat das entsprechende Video halt nicht die ARD hochgeladen sondern irgend ein Zuschauer, der es auf dem PC mitgeschnitten hat.
Auch das ist wieder so eine Geschichte, bei der man leider sagen muss: Thema verfehlt, liebe ARD.

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Münchner Medientage: warum man nicht mehr hingehen muss

Früher waren die Münchner Medientage, die jedes Jahr Ende Oktober stattfinden, für mich ein Fixpunkt in meinem Terminkalender. Im Kongresszentrum an der Münchner Messe in Riem gab es immer interessante Vorträge zu hören, und wer nicht da war, der hatte hinterher etwas verpasst. Aber das ist jetzt vorbei.
Und zwar aus zwei Gründen: erstens ist das, was von den wichtigen der Medienbranche ihr so erzählt wird, inhaltlich nicht gerade auf der Höhe der Zeit. Dazu nur ein Beispiel: Telekom Chef René Obermann forderte diese Woche doch tatsächlich, dass Google für die Nutzung der Telekom Netze bezahlen sollte. Absurder, gestriger geht es nicht. Und ich muss wirklich nicht auch noch Geld dafür bezahlen und einen Tag Arbeitszeit opfern, um mir Leute anzuhören, die das Internet, die Social Media noch immer nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen.
Der zweite Grund ist ganz pragmatisch: ich kann mir die Medientage auch so anschauen. Ohne hinzugehen. Dazu genügt es, auf YouTube einfach mal den Suchbegriff Münchner Medientage einzugeben – und man kann sich viele Panels anschauen. Ob das will, siehe oben, ist eine andere Frage.
Noch viel schöner ist es, während der Medientage bei Twitter den Hashtag #mtm12 einzugeben – und schon kann man quasi live verfolgen, was wer in welcher Podiumsdiskussion gerade sagt. Das hat sogar noch einen Mehrwert gegenüber der persönlichen Anwesenheit, denn physisch kann ich ja immer nur gleichzeitig in einem Saal sein, auf Twitter dagegen bin ich überall.
Ich würde mal interessieren, ob das andere Leute auch zu sehen. Denn dann haben die Medientage ein potentielles Problem. Es würde mich in diesem Fall wiederum nicht wundern, wenn man anfangen würde, live twittern oder YouTube Videos verbieten zu wollen. Das würde in die alte Denke passen. Aber letztlich nichts helfen.

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Google startet ersten Themenkanal “Ponk” auf Youtube

Wie vor einiger Zeit schon angekündigt, ist es jetzt ernst geworden: Gestern hat Youtube seinen ersten “Themenkanal” online gestellt. Er heißt “Ponk” und soll vor allem eines: Witzig sein.

Immerhin: Der Trailer (oben eingebettet) hat heute schon über 150.000 Zuschauer. In einer kleinen Nebenrolle das knapp 3 Minuten kurzen Spots ist Roberto Blanco zu sehen, es gibt Humor der Sorte: “Was macht ein Clown vorm Faxgerät? – Faxen!”.

Na ja.

Ansonsten: Tja. Es gibt noch nicht viel zu sehen. Unten auf der Seite des Channels sind Videos von mehr oder weniger bekannten Web-Komikertruppen wie z. B. Y-Titty aufgelistet, die mehr oder weniger lustig sind. Diese Videos gab es aber natürlich auch vorher schon auf Youtube, sie sind jetzt bestenfalls leichter auffindbar.

Unterm Strich finde ich: Wenn das die große “Content-Offensive” von Youtube war – dann ist es eine ziemliche Luftnummer, vor der ganz sicher niemand Angst haben muß.

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Youtube greift das Fernsehen an

Nach einer Meldung von Heise.de von heute startet Google jetzt auch in Deutschland die ersten “Spartenkanäle” auf Youtube. Laut Heise geht es dabei um Unterhaltung, Gesundheit, Sport, Comedy und Auto. Google wird zitiert mit der Aussage, man habe hier ein Interesse der User erkannt, das bis dato unbefriedigt geblieben ist. Die Refinanzierung der von “Content-Partnern” produzierten Inhalte soll über vorgeschaltet Werbetrailer gelingen – und auch hier möchte Google neue Wege gehen, indem man nicht “irgendwelche”, sondern wie von Google AdWords bereits bekannt thematisch passende, also idealerweise “relevante” Werbung anzeigt.

Konkret zu sehen ist freilich noch nichts – außer der eine oder andere 404er und leere Youtube-Channels. Aber dennoch darf man sich schon mal Gedanken darüber machen, warum Google nun eigene (oder eingekaufte, aber jedenfalls originäre) professionelle Inhalte auf Youtube anbietet.

Wer das tut, wird schnell darauf kommen: Es ist ein Angriff aufs traditionelle Fernsehen, insbesondere auf B- und C-Sender wie Vox, Kabel Eins, Dmax oder Tele4. Sie sind mit ihren teilweise sehr trashigen Formaten in genau den von Google genannten Themengebieten aktiv – und sie erreichen dort ein großes (Werbe-) Publikum.

Technisch gesehen gibt es ja schon lange keinen Grund mehr, “Das perfekte Dinner” oder “Der Checker” genau zu jener Uhrzeit anzuschauen, zu der sie im Programmablauf vorgesehen sind. Es kann also für die Fans wesentlich bequemer sein, auf ihre Lieblings-Inhalte dann zuzugreifen, wenn ihnen gerade danach ist. Außerdem kann man dann nicht nur eine Folge anschauen, sondern im Extremfall alles, was online verfügbar ist. Die Bemühungen der Sender, diesen Bedarf an On-Demand-Fernsehen über Portale mit bezahlpflichtigen Inhalten  oder über iTunes zu befriedigen, waren bislang nicht übermäßig erfolgreich.

Insonfern finde ich es extrem spannend, zu beobachten, wie diese Geschichte weitergehen wird und ob es Google gelingen wird, mithilfe seiner Themenkanäle auch noch in den lukrativen Markt der Fernsehwerbung einzubrechen – was sicherlich das große Ziel sein dürfte.

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Youtube und die GEMA

Ja gut, vielleicht lag es am Wochentag: erstaunlich, wie wenig Aufregung dieses Urteil am Freitag verursacht hat. Ein deutsches Gericht hättet entschieden dass YouTube einige Musikvideos entfernen muss, weil die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA daran die Rechte hat. Gleichzeitig wurde YouTube dazu verdonnert, eine Filtersoftware einzuführen, die zukünftig verhindert, dass urheberrechtlich geschützte Videos online gehen.
Natürlich: schon früher wurden auf YouTube hin und wieder Videos gelöscht, ein führendes Beispiel dafür ist Frank Sinatra. Dessen Erben hatten schon früh dafür gesorgt, dass Songs des großen Meisters auf YouTube nicht zu hören waren. Ob das den Verkaufszahlen Sinatras geschadet oder genützt hat, ist unbekannt.
Und das ist auch das Problem an der ganzen Diskussion. Niemand weiß so richtig, was nun besser ist: alles auf YouTube stellen, und hoffen, dass man dadurch mehr Platten oder DVDs verkauft – oder alles sperren und sich darauf verlassen dass die Leute schon in den Plattenladen gehen werden, wenn sie Musik haben wollen.
Eines nämlich steht ganz sicher fest: die Welt hat sich verändert in den letzten zehn Jahren. Und es bringt ganz sicher nichts, sich wie die Klima an alten Strukturen festzuhalten, ohne sich auch nur 1 mm zu bewegen. Was wir wirklich dringend brauchen, sind Lösungen, die kreativer sind als ein schlichtes ja oder nein. Aber die sind bisher nirgendwo zu sehen..

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Bambuser: Ein schönes Tool für Live-Video auf dem iPhone

Screenshot BambuserSind wir doch mal ehrlich: Youtube war gestern. Warum? Weil es kein Live-Streaming kann. Schließlich leben wir heute in der Zeit der jederzeit-und-überall-mit-jedem-Kommunikation. Da ist der Zeitverzug, der durch das (wenn auch nur rudimentäre) Schneiden und Hochladen eines Videos bei Youtube schon zu groß.

Bisher habe ich für Live-Videos immer den Dienst Qik genutzt und war recht zufrieden – der einzige Wermutstropfen ist hier, dass Qik nur eine recht geringe Zahl von Videos (20) bei kostenlosen Accounts zuläßt, alles weitere kostet Geld (“Qik Premium” liegt derzeit bei $4,99 pro Monat).

Deshalb habe ich mir jetzt mal den Dienst “Bambuser” näher angeschaut. Die App ist schnell heruntergeladen und konfiguriert, einloggen kann man sich ganz einfach mit dem Facebook-Account. Die wenigen Einstellungen lassen sich intuitiv bedienen. Mein Tipp wäre, das Häkchen bei dem Eintrag “automatically share your Videos to Facebook” wegzumachen, denn das habe ich schon ganz gerne selber im Griff.

Ein erster Test hat ergeben, dass Bambuser wirklich leicht zu bedienen ist, man kann nichts falschmachen. Bei Standardeinstellung (“mittlere Qualität”) sind die Videos durchaus ansehnlich, das Posten auf Twitter und Facebook klappte auf Anhieb. Was will man mehr? Der Vollständigkeit halber sei allerdings angemerkt: Auch Bambuser hat verschiedene Varianten von Premium-Accounts und langt hier sogar richtig zu: Der kleinste Account kostet schon € 99,- pro Monat, der größte € 499,-. Der Unterschied sind hier nicht nur die Zahl der User (im Sinne von Usern, die Videos hochladen dürfen), sondern vor allem die Zahl der “Viewing Hours”. Für den Hobbygebrauch reicht also der Gratis-Account völlig aus. Und übrigens: Bambuser-Clients gibt es auch für Android und Windows Mobile.

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